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Mah-Jong ist ein ursprünglich chinesisches Brettspiel. Es hat, bis auf die verwendeten Symbole und Motive, nichts mit dem heutzutage bekannten gleichnamigen Computerspiel zu tun, in dem es darum geht, eine Pyramide aus Spielziegeln paarweise abzutragen. Das „richtige“, traditionelle Mah-Jong wird von vier Spielerinnen und Spielern mit Spielziegeln aus Bambus/Bein, Kunststoff oder Holz an einem - vorzugsweise runden oder quadratischen - Tisch gespielt.
Wenn Sie nicht das traditionelle Brettspiel Mah-Jong suchen, sondern das Solitär-Spiel (Pyramide paarweise abbauen), klicken Sie auf einen passenden Link in der rechten Spalte. →
Mah-Jong gehört untrennbar zur asiatischen, insbesondere chinesischen Alltagskultur. Den Chinesen wird nachgesagt, egal, was sie vorhätten, es verflüchtige sich, sobald sie etwas von Mah-Jong hörten – dann setzten sie sich eilends hin, um zu spielen.
„Der Faszination des Mah-Jong-Spiels kann sich kaum jemand entziehen. Das kunstvoll verarbeitete und sehr ästhetische Spielmaterial, die mitunter streng anmutenden und doch reizvollen Rituale des Spiels, die komplexen, aber durchaus leicht zu bewältigenden Regeln, die unendlich scheinenden Möglichkeiten unterschiedlicher Spielverläufe, schließlich die Erkenntnis, ewig Lernende auf dem Weg zur Vollkommenheit zu bleiben – all diese Eigenschaften ziehen Spielerinnen und Spieler in den Bann und eröffnen Zugänge zu einer fremden Welt.“
(Uwe Martens: „Handbuch: Mah-Jongg“, Books on Demand GmbH, Norderstedt, 2005)
Für Kyoichiro Noguchi, Generaldirektor des Mahjong Museums in Chiba, Japan, spiegelt Mah-Jong nichts weniger als das Leben des Menschen wider: „Da gibt es Freude und Zorn, Visionen, Gestaltungen, Erfüllung und Niedergang in dem Spiel und durch das Spiel. Nicht allein das Denk- und Entscheidungsvermögen, sondern auch ästhetisches Empfinden und Sensibilität werden im Mah-Jong-Spiel nachdrücklich unter Beweis gestellt.“ (ebd.)
Ein Mah-Jong Spiel auf der Hannover Mahjong Open 2007
Man kann es auch ganz schlicht beschreiben: Mah-Jong ist schön anzuschauen, die Spielsteine sind angenehm anzufassen, die Regeln relativ leicht zu erlernen. Der Spielverlauf ist spannend und abwechslungsreich, das Verhältnis von Spieltaktik und Glück ausgewogen – kurz, es macht einfach großen Spaß!
Der „richtige“ chinesische Name dieses Spiels ist übrigens „májiàng“ (ausgesprochen „ma-dschang“), im deutschsprachigen Raum hat sich aber die Aussprache „ma-jong“ etabliert.
Es existieren vielfältige Schreibweisen: Mah-Jongg, Mah-Jong, Mahjong, Majong, Ma-Jung, Majung, Ma-Chiao, Ma Cheuk etc. Im angelsächsischen Sprachraum dominiert mittlerweile die Schreibweise Mah-Jong, in Deutschland mit Doppel-„g“. In „mah-jong-shop.com“ haben wir uns für die international verbreitetere Schreibweise mit nur einem „g“ entschieden.
Geschichte: Gelegentlich wird behauptet, Mah-Jong sei hunderte, ja tausende von Jahren alt, oder von Konfuzius persönlich erfunden. Es gibt jedoch keinen Beleg für die Existenz dieses Spiels vor etwa 1880. Von China aus verbreitete sich Mah-Jong zu Beginn des 20. Jahrhunderts nach Japan und um 1920 nach Amerika und Europa. In den 1920er Jahren boomte das Spiel im Westen, geriet aber bald darauf wieder in Vergessenheit. Seit den 1990er Jahren gewinnt es besonders in Amerika wieder an Popularität. In Europa bilden sich zur Zeit rasch wachsende Gruppen von Enthusiasten.
In Deutschland wurde 2002 die Deutsche Mah-Jongg Liga (DMJL) e.V. gegründet, mit dem Ziel, dieses schöne Spiel wieder ins Bewusstsein der hiesigen Öffentlichkeit zu rücken und das Spielen in größerer und internationaler Gemeinschaft zu pflegen. Im Jahr 2005 fand in den Niederlanden die erste Mah-Jong Europameisterschaft statt. Aus diesem Anlass wurde die „European Mahjong Association“ aus der Taufe gehoben.
Die Regeln des Mah-Jong variieren je nach Region und Tradition. Es gibt heute mehrere etablierte Regelsysteme, z.B. Traditionelle Chinesische Regeln, Japanische (Riichi) Regeln, Offizielle Internationale Regeln (der staatlichen chinesischen Sportkommission, diese werden bei den internationalen Meisterschaften benutzt) etc. Darüber hinaus existiert eine beinahe unübersehbare Zahl an „home rules“. Dass es so vielfältige Regelvarianten gibt, macht einen Teil der Faszination dieses Spiels aus und ist Indiz für dessen kreative Kraft.
Die Grundregeln sind sehr einfach und ähneln denen des Kartenspiels Rommée, das mit Poker Karten gespielt wird. Statt Karten werden 144 Spielziegel aus Bambus/Bein oder Kunststoff verwendet. Es gibt drei „Farben“: Bambus, Zahlen und Kreise. Jede Farbe wird durch die Ziegel 1-9 repräsentiert. Jeder Ziegel existiert 4-fach.
Zusätzlich zu den Farbziegeln gibt es „Bildziegel“, das sind 4 Winde (O, S, W, N) und 3 Drachen (grün, rot, weiß). Auch jeden Bildziegel gibt es 4-fach.
Schließlich gibt es noch insgesamt 8 Bonusziegel (Glückssteine), das sind 4 Blumen und 4 Jahreszeiten. Von den Bonusziegeln existiert jeweils nur ein Exemplar.
Spielverlauf: Die Spielziegel werden gemischt und zu einer quadratischen Mauer in der Mitte des Spieltisches aufgebaut. Jeder Spieler erhält aus dieser Mauer eine Anzahl von Ziegeln, die er so vor sich hinstellt, dass die Bildseiten zum Spieler weisen; diese Ziegel nennt man die Hand. Abwechselnd zieht nun jeder Spieler einen Ziegel von der Mauer in seine Hand und legt einen Ziegel in die Mitte des Mauerquadrats ab. Unter bestimmten Umständen dürfen von andern Spielern abgelegte Ziegel aufgenommen werden.
Im Verlauf des Spiels versuchen die Spieler, aus den Ziegeln in ihrer Hand bestimmte Kombinationen, Figuren zu bilden. Diese Figuren heißen Chi (3 Ziegel einer Farbe in Reihe), Pong (3 gleiche Ziegel) und Kang (4 gleiche Ziegel).
Beispiel für einen Chi
Beispiel für einen Pong
Beispiel für einen Kang
Ziel des Spiels ist es, eine festgelegte Kombination von Figuren zu erreichen, die Mah-Jong-Hand. Diese besteht aus vier beliebigen Figuren und einem zusätzlichen Paar. Da außer der Anzahl der für eine Mah-Jong-Hand benötigten Figuren in der Regel keine konkreten Ziegel vorgeschrieben sind, ergeben sich verschiedene Spielbilder.
Neben den durch reguläre Figuren gebildeten Spielbildern gibt es noch spezielle Bilder. Dies sind besondere, meist sehr schwer zu erreichende Spielstein- oder Figur-Kombinationen, deren Ausnahmecharakter schon durch ihre Namen angezeigt wird: „Die dreizehn einzigartigen Wunder“, „Die drei großen Gelehrten“, „Die kaiserliche grüne Hand“, „Die sich windende Schlange“, „Vier Segen über der Tür“, um nur einige zu nennen.
Beispiel für „Die drei großen Gelehrten“
„Mah-Jongg ist kein Glücksspiel, obwohl auch hier wie in jedem anderen Spiel die Glücksgöttin ihre Hand reichen muß. Der im Pech sitzende, erfahrene Spieler kann jedoch durch Geschicklichkeit und genaue Beobachtung das gesamte Spiel mehr oder weniger beeinflussen, resp. den Verlauf des Spieles von seiner Spielführung abhängig machen und es nach seinem Willen gestalten.“ Curt Küster, Lehrbuch des Mah-Jongg-Spiels, Leipzig 1925
Windrunden: Eine komplette Spielrunde besteht aus vier sog. Windrunden. Jede dieser Windrunden wird durch einen vorherrschenden Wind, den Rundenwind, charakterisiert. Jeder Spieler repräsentiert ebenfalls einen Wind, den Platzwind. Nach jedem Einzelspiel wechseln die Winde der Spieler. War jeder Spieler ein Mal jeder Wind, ist eine Windrunde zu Ende. Der Rundenwind dreht, und wieder wechseln nach jedem Einzelspiel die Platzwinde. Hat auch der Rundenwind alle Richtungen durchlaufen, ist eine Spielrunde zu Ende. Eine komplette Runde besteht also aus mindestens 4 x 4 = 16 Einzelspielen.
Rituale: Mah-Jong ist durchtränkt von Ritualen. Die Ermittlung der Winde, das Festlegen der Sitzordnung, Spielaufbau und Spielbeginn - alles erfordert Sorgfalt und Aufmerksamkeit. Das gilt auch für das richtige Ambiente: Spieltisch, Beleuchtung, Musik, Getränke und nicht zuletzt die Spielpartner wollen mit Bedacht arrangiert und ausgewählt sein. Die Anzahl von vier Spielern ist noch klein genug, um eine intime Spielatmosphäre zu schaffen, und schon groß genug, um diese aufzulockern. Die rechte Mitspielerauswahl ist hierbei natürlich entscheidend. Spieler, die vorrangig spielen, um zu gewinnen, sollte man besser zu anderen Gelegenheiten einladen. Der einzigartigen Mah-Jong-Atmosphäre angemessener und zuträglicher ist es, den Spielverlauf und auch die Ergebnisse der anderen genießen zu können.
Mah-Jong macht nicht nur im kleinen Kreis, sondern gerade auch in der Gemeinschaft einer regelmäßig spielenden Gruppe großen Spaß. Dabei fasziniert dieses Spiel Kinder, Erwachsene und ältere Menschen gleichermaßen.
Spielmaterial: Eins der wichtigsten Utensilien sind schöne Spielsteine. Es ist ein enormer Unterschied, ob Sie billige Plastikklötzchen oder edle, aus Bambus und Bein gefertigte Ziegel auf dem Tisch liegen haben und in der Hand halten. Auch hochwertige Kunststoffziegel können ein ästhetischer und haptischer Genuss sein. Ein gutes Mah-Jong Spiel ist kein Schnäppchen, aber die Ausgabe lohnt sich unbedingt! Ein Spiel, das so von Atmosphäre lebt wie dieses, sollte man mit entsprechend hochwertigem Material spielen. Sie werden es nicht bereuen. Wenn Sie nicht selbst spielen wollen- machen Sie jemandem ein wirklich extravagantes Geschenk.
Spielsteine aus Bambus & Bein (Rinderknochen)
„Beim Kauf eines Spieles überlege man sich reiflich, ob man sich nicht gleich zu Beginn ein Spiel in besserer Ausführung kauft als ein billiges, einfaches. Letztere weisen doch noch Mängel auf, die schließlich den verwöhnten Spieler veranlassen, sich ein zweites Spiel zuzulegen. Ja, es kann vorkommen, daß das schlechte Material und das unschön hergestellte Spiel einen Spieler derart beeinflussen, daß er nicht nur schlecht und unaufmerksam spielt, sondern eine Abneigung gegen das Spiel bekommt.“ Curt Küster, Lehrbuch des Mah-Jongg-Spiels, Leipzig 1925
Herstellung: Obwohl Mah-Jong Spiele heute auch industriell hergestellt werden, fertigt man in China besondere Ausführungen nach wie vor in sorgfältiger Handarbeit an. Es gibt etliche Familienbetriebe, in denen die Herstellung von Mah-Jong Spielen generationenlange Tradition ist. Sehen Sie hier ein Beispiel für die Produktion von Spielen aus Bambus und Bein.
Nützliches Zubehör sind z.B. Racks (Bänkchen): profilierte Holzleisten, die die Spielziegel der Hand aufnehmen und in bequemem Blickwinkel präsentieren. Auch beim Mauerbau leisten Racks gute Hilfe.
Racks (Bänkchen, Leisten)
Wenn es Ihnen vergönnt ist, dem letzten noch fehlenden Stein einer hochwertigen Hand entgegenzufiebern, während der Steinevorrat der Mauer kleiner und kleiner wird, die Mitspieler bereits eine Figur nach der anderen offengelegt haben, schließlich nur noch ein einziger Spielstein übrig ist, Sie diesen aufnehmen, umdrehen und: er passt! - dann werden Sie diesen Moment nie vergessen. Sie können danach ein wenig über Wahrscheinlichkeit, Glück und das Herbeiführen von Ereignissen durch konzentrierte Aufmerksamkeit philosophieren. Die Chancen für so ein Ereignis sind astronomisch schlecht, und doch wird es immer wieder versucht und manchmal geschieht es tatsächlich...
Die Abrechnung der Spielpunkte ist zunächst etwas kompliziert und für Anfänger nicht leicht zu meistern. Außerdem hält die Rechnerei zwischen den Spielen oft unangenehm auf und es schleichen sich schnell Fehler ein. Sollte es die gewünschte Spielatmosphäre zulassen, dass ein Rechner nebenbei läuft, können Sie eine Software einsetzen, die die Berechnungen für Sie übernimmt. Empfehlung: Red Dragon - das Abrechnungsprogramm für das Brettspiel Mah-Jong.
Für alle Fragen rund um Mah-Jong empfehlen wir das Mah-Jongg Forum.
Software: Obgleich Mah-Jong seine volle Faszination unserer Meinung nach nur mit lebendigen Mitspielern in gemeinsamer Spielrunde entfaltet, gibt es natürlich auch die Möglichkeit, „Traditional Mah Jong“ am Computer zu spielen. Um sich mit dem Spielablauf vertraut zu machen oder zu trainieren und für einsame Stunden ist das durchaus eine Option.
Wenn Sie gerne pokern, sollten Sie auch Texas Holdem Regeln lernen, das populärste Spiel.
Uns bleibt, Ihnen viel Spaß, Glück und viele schöne Abende mit diesem faszinierenden Spiel zu wünschen.